Meine Fuji X100

Meine Fuji X100

Manchmal überlegt man, warum man eigentlich fotografiert. Darauf finde ich ziemlich schnell meine Antworten. Aber warum man dafür im digitalen Zeitalter  immer so einen Trümmer mitschleppen soll, darauf eine Antwort zu finden ist schon schwieriger. Lange Zeit war es eine Frage der Qualität. Die Hersteller brachten es nicht fertig, eine halbwegs kompakte Kamera mit ansprechenden inneren Werten zusammenzubauen. Vielleicht wollten sie es auch einfach nicht. Die eigene Käuferschaft im lukrativen hauseigenen DSLR-Geschäft abgraben? Anscheinend keine gute Idee. Aber zu analogen Zeiten gab es doch auch richtig schöne kompakte Kameras, mit herausragenden Eigenschaften und das nicht nur von Leica, sondern von fast allen Herstellern.

 

Einige von diesen Herstellern, hier ein netter Gruß nach Rochester, konnten mit dem digitalen Zeitalter rein gar nichts anfangen und verschwanden von der Bildfläche. Eine Erklärung dafür? Fehlanzeige. Schließlich ist die erste „richtige“ Digitalkamera doch auf dem Mist von den Eastman-Jungs gewachsen. Manch andere Heroen der analogen Zeit waren auch schon des öfteren totgesagt und leben dann doch weiter, nur um irgendwann wieder totgesagt zu werden. Und der mickrige Rest? Wurde und wird mitunter einfach von Sony geschluckt. Canon und Nikon lachen sich derweil ins Fäustchen und fechten ihren japanischen Kleinkrieg aufgrund einigermaßen guter Verkaufszahlen einfach weiter. Doch Erfolg macht träge und Innovationen sind von den „Canikons“ nicht zu erwarten.

 

Verbessert wird immer weiter, das möchte ich nicht bestreiten, aber etwas Neues wird dabei nicht geschaffen. Bestes Beispiel dafür: die Nikon DF. Irgendwie ein schönes Konzept und auch eine schöne Kamera. Aber wenn schon Retro, dann bitte richtig. Es ist nicht damit getan, möglichst viele Teile aus dem eigenen Hardware-Portfolio in eine 70er-Jahre Verpackung zu stecken und zu sagen, das ist jetzt „Pure Photography“. Innovation sieht anders aus. Pickt man sich eine Kamera aus dem Sortiment der 3 großen Hersteller, ich zähle Sony jetzt einfach hinzu (ja, die sind dank Minolta auch in der Lage, eine gute Kamera zusammenzuschrauben), bekommt man gute Hausmannskost und sicher eine hervorragende Leistung. Berauschen kann und konnte mich bisher keine dieser Kameras oder habt ihr da andere Erfahrungen gemacht? Ich meine, es ist egal ob man heutzutage eine D600, D800, Alpha77, 5DII oder 1D-was-auch-immer benutzt, es sind Arbeitstiere und ihre Arbeit erledigen sie gut. Es sind qualitativ hochwertige Geräte, die in der Lage sind, in den richtigen Händen, geniale Fotos zu machen. Aber begeistern? Das tun die Dinger nur kurz oder eher gar nicht.

 

Und ich hatte bisher schon einige dieser Kisten. Von kleinen Hosentaschenfüllern angefangen, über meine ersten Gehversuche mit DSLRs, von Sony zu Nikon, ein paar analoge Reflexen waren auch dabei und aktuell bin ich sehr zufrieden mit einer D600 als Arbeitstier. Ich bilde mir also ein, zu wissen, wann eine Kamera mich begeistert.

 

Zu meinem Glück zaubern ein paar Hersteller in der letzten Zeit immer wieder kleine Schmuckstücke zum Vorschein. Hier nenne ich mal Olympus und Panasonic, aber auch Sonny bekommt eine würdigende Erwähnung meinerseits. Die größte Begeisterung ruft aber Fuji bei mir hervor. Fujifilm war schon immer bekannt für hervorragende Filme und auch besondere Kameras (Fuji TX, Fuji 645, S5Pro). Doch trotzdem gehörte der Hersteller aus Tokio zwischendurch des öfteren zu den totgesagten Überbleibseln der analogen Welt, zumindest als Kameraproduzent. Aber totgesagt lebt ja bekanntermaßen länger, siehe Olympus und Not macht zu dem ja auch noch erfinderisch. Also auf alte Tugenden besinnen, verrückte Ideen sammeln und die besten davon einfach umsetzen, so lautete wahrscheinlich das Fuji-Credo vor ein paar Jahren. Das X-System aus der Taufe zu heben, mit der X100 in vorderster Front, war wahrlich die allerbeste Idee die Fuji haben konnte. Zumindest ist sie das für mich, denn eine X100 wanderte in meine Fototasche.

 

Mittlerweile ist die X100 mein fotografischer Lieblingsbegleiter. Nicht nur dann, wenn ich wirklich keine Lust habe, ein paar Kilo Kamera mit mir rumzuschleppen. Die X100 macht einfach, trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Limitierungen und auch mit ihren mittlerweile über 2 Jahren am Markt, Spaß! Daher werdet ihr hier auch keinen Pixel-Peep-Schärfevergleich-Marathon finden, eine Kamera die begeistert hat das nicht nötig (genau genommen hat das keine Kamera nötig – geht raus und fotografiert – dann erhaltet ihr den besten Eindruck von einer Kamera). Fuji besinnt sich mit der X100 auf das Wesentliche und schafft es, dass man als Fotograf das selbige tut.

Die X100 fordert sicher etwas mehr Übung als andere Kameras es tun, aber wenn man regelmäßig mit ihr fotografiert, dann gibt sie auch entsprechend zurück. Nicht nur geniale Fotos und weniger Rückenschmerzen, sondern auch Momente. Momente in denen man vorher seinen kiloschweren Foto-Trümmer lieber zu Hause gelassen hätte.

 
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